In Zukunft denken

In den vergangenen Jahren hat die VerbundVolksbank OWL immer wieder Trends aufgegriffen und daraus erfolgreiche Geschäftsfelder entwickelt, beispielsweise zum Thema „Erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz“ oder „Zahlungssysteme“. Mit dem neuen Kompetenzfeld „Digitale Wirtschaft und Start-ups“ richtet sie sich an den etablierten Mittelstand genauso wie an die nächste Unternehmergeneration, die Start-ups in OWL. Die Verantwortung für das Konzept liegt in den Händen von Mitarbeitern. Über dezentrale Entwicklungsarbeit „total am Anfang“ …

„Die Start-ups denken nur in Zukunft, weil sie keine Vergangenheit haben“, erzählt Henning Duderstadt begeistert. Ähnlich geht es gerade ihm und seinen Kollegen, die das Kompetenzfeld „Digitale Wirtschaft und Start-ups“ für die VerbundVolksbank aufbauen. Auf Erfahrungen kann das Team nicht zurückgreifen, alle betreten gemeinsam Neuland. „Wir stehen total am Anfang“, sagt Duderstadt. „Alle“ – das ist ein junges Team von Kundenberatern aus den Regionen, die frische Ideen und den Willen zum Gestalten mitbringen: Marvin Scharfen von der Volksbank Paderborn, Dennis Spicker von der Volksbank Höxter, Hans-Heinrich Lieneke von der Volksbank Detmold, Hendrik Silva Bellorin von der Volksbank Minden und Felix Jancker vom Bankverein Werther. Zudem bringt Fabian  Brinkmann die Expertise des Kompetenzzentrums „Zahlungssysteme“, insbesondere in der Zahlungsverkehrsberatung, ein. Henning Duderstadt, Kundenberater Unternehmen beim Bankverein Werther in Bielefeld, und Lena Hartmann, Kundenberaterin Unternehmen bei der Volksbank Paderborn, haben die Leitung übernommen.

Fabian Brinkmann und Marvin Scharfen in der garage33 in Paderborn

Im ersten Schritt der Entwicklungsarbeit hatten Duderstadt und Hartmann zu klären: Was genau verbirgt sich hinter dem Themenfeld? Womit wollen und sollen wir uns zukünftig auseinandersetzen und beschäftigen? Wo legen wir die Schwerpunkte? „OWL ist anders als Berlin und die VerbundVolksbank anders als hippe Fintechs. Trotz oder gerade deswegen hat sich die Bank im Rahmen des Strategieprojekts ,Zukunftsbild 2020‘ entschieden, dieses neue Kompetenzfeld zu entwickeln“, sagt Lena Hartmann. Von Beginn an war klar, dass Digitalisierung nicht allein die Start-ups betrifft. „Aus Bankensicht ist Digitalisierung ein Disruptionsfeld, auch für Unternehmen. Das kann man Kunden nur vermitteln, wenn man sich selbst damit auseinandersetzt“, sagt Duderstadt. Deshalb soll das neue Kompetenzfeld sowohl die klassischen Unternehmen als auch die Start-ups ansprechen. „Unter dem Stichwort ,Digitale Wirtschaft‘ wollen wir unsere Kunden, insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen, ernsthaft bei der Digitalisierung begleiten. Dabei stellen wir Fragen wie: Haben sich unsere Kunden schon mit der Digitalisierung und deren Chancen und Risiken beschäftigt? Welche Unternehmer haben ihre Geschäftsmodelle bereits zukunftsfähig gemacht? Wer hat Kontakt zu Startups mit neuen Ideen der gleichen Branche aufgebaut? Wir sehen hier ein hohes Potenzial und die Notwendigkeit der Sensibilisierung“, sagt Hartmann. Deshalb wird die VerbundVolksbank gemeinsam mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Höxter einen „Readiness-Check“ anbieten. „Mit diesem wollen wir dann aus unserem Netzwerk heraus für unsere Kunden maßgeschneiderte Lösungen entwickeln“, ergänzt Duderstadt.

Lena Hartmann und Dennis Spicker

„Darüber hinaus wollen wir uns aber auch als zuverlässiger Bankpartner für die neue Gründerszene in OWL positionieren. Und natürlich wollen wir auch als Bank von den Start-ups lernen“, sagt Duderstadt. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Förderung von Innovation und Wachstum, indem die VerbundVolksbank den klassischen Mittelstand mit den Start-ups vernetze. „Oft kennen die digitalen Gründer nicht komplett die Unternehmen der Region. Und umgekehrt fehlt den Unternehmen der Zugriff auf innovative Start-ups. Wir hingegen sitzen an beiden Seiten des Tisches und können sie über unser Netzwerk zusammenbringen. Der Bedarf ist da. Als VerbundVolksbank OWL sind wir prädestiniert dafür“, ist sich Duderstadt sicher.

An der Zusammensetzung des Kompetenzfeld-Teams wird der Vernetzungsgedanke, der die dezentrale Ausrichtung bedingt, mehr als deutlich. „Wir wollen an den Hot Spots von OWL präsent sein und die Entwicklungen vor Ort begleiten, deshalb sind im Team alle Regionen vertreten“, so Duderstadt. In der Bielefelder Start-up-Szene haben sich Henning Duderstadt und Felix Jancker in den letzten zwei Jahren wertvolle Kontakte und Beziehungen erarbeitet. Zu ihrem Netzwerk, das ihnen mittlerweile einen vertrauensvollen Zugang zu den jungen Unternehmern verschafft hat, gehören insbesondere die Founders Foundation, der Pioneers Club und die G16-Lounge. In Paderborn hält Lena Hartmann schon seit einigen Jahren den Kontakt zum TecUP und zur garage33, der Gründungsschmiede der Universität Paderborn. Diese gilt bundesweit als Aushängeschild in der Uni-Landschaft. „Dort werden Ideen begleitet und Gründerteams gecoacht. Als Bank sind wir von Beginn an in der Garage aktiv und präsent“, sagt Hartmann. In Lippe gehört die Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo zum  Netzwerk der VerbundVolksbank, in der Region Minden und im Kreis Höxter sind die Entwicklungen noch ganz am Anfang.

Aus Duderstadts Erfahrung heraus zählt gerade bei den Start-ups das Gespräch von Mensch zu Mensch. „So digital, wie die alle sind, so persönlich und nah wollen sie betreut werden“, beschreibt er die neue Gründerszene. „Als Bankberater sind wir bei den Start-ups mehrals der Kreditgeber. Viel stärker sind wir als Netzwerker, Ratgeber und Vertrauenspunkt gefragt, wir unterstützen unbürokratisch bei vielen Themen, vermitteln Kontakte zu Steuerberatern und Unternehmen und sind Berater, wenn die Start-ups wachsen“, so Duderstadt. Über diese Hilfe entstehe eine tiefe Verbindung, die lange Bankbeziehungen begründen könne. „Wen man dort gewinnt, den hält man auch. Wir bekommen als Bank sehr viel positives Feedback und werden weiterempfohlen.“

Hans-Heinrich Lieneke, Henning Duderstadt, Felix Jancker und Hendrik Silva Bellorin im Pioneers Club in Bielefeld (v.l.)

Was muss man mitbringen, um im Team des Kompetenzfeldes „Digitale Wirtschaft und Start-ups“ seine Berufung zu finden? „Man muss sich darauf einlassen. Und man muss ein Verständnis für die Werte, das Denken und die Arbeitskultur der Start-ups haben“, sagt Duderstadt. Ihn selbst fasziniert „die Dynamik der Szene“ und der Umsetzungswillen der Jungunternehmer. „Die sind immer einen Schritt weiter.“ Duderstadt fühlt sich angekommen: „Aus Neugier ist Interesse geworden. Die Chemie und das Thema passen einfach.“ Und er hat noch einen Grund, der ihn für die Start-up-Szene begeistert: „Die Start-ups präsentieren Mut, den man uns, der jungen Generation, lange abgesprochen hat.“

Henning Duderstadt, Lena Hartmann, Marvin Scharfen, Dennis Spicker, Hans-Heinrich Lieneke, Hendrik Silva Bellorin, Felix Jancker und Fabian Brinkmann sind gespannt auf die nächsten Monate. „Wir wissen noch nicht, was uns genau in unserem neuen Kompetenzfeld erwartet. Aber wir freuen uns darauf, es in einem agilen Prozess herauszufinden, etwas, dass wir von den Start-ups noch lernen können!“, ist sich das Team einig.