Gelungene Premiere mit Dr. Richard David Precht

430 Gäste beim „1. Vertreter-Forum“ der VerbundVolksbank OWL

Bernd Seibert, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der VerbundVolksbank OWL, und Dr. Ulrich Bittihn, der Vorstandsvorsitzende der VerbundVolksbank OWL, begrüßten den Philosophen, Schriftsteller und Publizisten Dr. Richard David Precht beim 1. Vertreter-Forum.

Paderborn. Premierenstimmung in Paderborn: Am 29. August hatte die VerbundVolksbank OWL eG zum ersten „Vertreter-Forum“ in die PaderHalle eingeladen. Mit mehr als 430 Gästen war die Veranstaltung ein voller Erfolg, auch, weil mit Dr. Richard David Precht ein Referent Teil des Abends war, der auf ganzer Linie begeisterte.

Als Garant für einen gelungenen Abend erwies sich der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Publizist Dr. Richard David Precht, der mit seinem einstündigen Vortrag viel Stoff für anschließende Diskussionen lieferte. Mit Precht hatte die VerbundVolksbank dabei erstmals einen waschechten Philosophen zu Gast. Aus gutem Grund, wie Dr. Ulrich Bittihn fand: „Bankern eilt ja der Ruf voraus, dass wir nur in Zahlen, Daten und Fakten denken können, doch wir sind ein Stück anders. Auch wir philosophieren gerne und auch wir haben eine Utopie: Nämlich die der schnellen Netzwerkbank in OWL.“

Unter der Überschrift „Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“ führte Richard David Precht anschließend seine Überlegungen zum Thema Digitalisierung aus. Diese, so Precht, sei am ehesten mit den fundamentalen Umwälzungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der industriellen Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts zu vergleichen. Anders als damals sei allerdings davon auszugehen, dass die Digitalisierung zahlreiche Arbeitsplätze kosten werde, statt sie zu schaffen. „Durch die digitale Revolution geht die Arbeit nicht aus. Die Frage ist nur, für wen die neue Arbeit entsteht. Warum soll nicht ein Großteil der neuen Arbeit für intelligente Maschinen entstehen?“

Busfahrer und Steuerberater werden es in der Prechtschen Zukunftsvision schwer haben, weil deren Arbeit durch Maschinen ersetzt werden kann. Auch wird nicht jeder Sektor digitalisiert werden. „Digitalisierung wird nicht eingeführt, weil man es kann, sondern nur dann, wenn es sich lohnt.“ Der heutige Niedriglohnsektor sei hiervon etwa betroffen.

Allerdings gebe es auch klare Gewinner der Digitalisierung: „Wenn wir über die Berufe der Zukunft reden, reden wir immer über Technikberufe. Aber ganz großer Sieger der Digitalisierung ist das Handwerk. Gutes Handwerk wird in der Zukunft wahnsinnig gut bezahlt.“ Zudem werde Deutschland die Digitalisierung seiner Ansicht nach relativ gut meistern. „In Deutschland bekommen wir mittelgroße Probleme mit der Digitalisierung. Denn wir haben einen sehr gesunden Mittelstand, der die Digitalisierung schaffen wird“, so Precht. Anders schätze er etwa die Lage in Frankreich, den USA oder China ein. „Diese Länder werden wahnsinnige Probleme bekommen, weil es fast nur Großindustrie gibt.“

Nicht minder spannend waren abschließend seine Ausführungen zum bedingungslosen Grundeinkommen, das nach seiner Ansicht in der Zukunft ein „Riesen-Thema“ werden wird. „Offiziell meiden alle Parteien das bedingungslose Grundeinkommen wie der Teufel das Weihwasser, hinter den Kulissen bereiten sich alle aber langsam darauf vor“, so Richard David Precht. Mit geschätzten Kosten von rund einer Billion Euro und der Überlegung, diese über eine Finanztransaktionssteuer zu realisieren, entließ er sein Publikum, das lange anhaltend applaudierte, in eine diskussionsreiche Nacht.